Soziale Architektur für technologische Exzellenz. 13. Juli 2026 Die Konstruktionspläne sind fehlerfrei, die Parameter exakt berechnet und modernste Projektmanagement-Tools im Einsatz. Wenn trotzdem Zeit- oder Kostenvorgaben nicht halten, liegt das häufiger an der sozialen als an der technischen Komplexität von Projekten. Deshalb gibt WILD dem klassischen Produktentstehungsprozess ein fundamentales Upgrade. Wenn ein neues Produkt entsteht, treffen Welten aufeinander. Vom Kunden über das Entwicklerteam, die Fertigung bis zum Supply Chain Management: An all diesen Schnittstellen agieren Menschen mit völlig unterschiedlichen Denkweisen, Fachsprachen und Unternehmenskulturen. Ganz oft entsteht in dieser hochkomplexen Systemarchitektur eine Dynamik, die mit klassischen Produktentstehungsprozessen nicht mehr steuerbar ist. „Projekte scheitern in der Praxis selten an mangelnder technischer Expertise. Das eigentliche Nadelöhr ist der Mensch. Die technische Komplexität ist beherrschbar. Mindestens ebenso wichtig ist allerdings die soziale Komplexität. Diese rücken wir zunehmend in den Fokus und nutzen Tools, um sie zielgerichtet zu steuern. Denn am Ende ist der modernste Prozess nur so stark wie das menschliche Zusammenspiel an den Schnittstellen“, betont Wolfgang Warum, Managing Director WILD Electronics. TRANSDISZIPLINÄRES PROJEKTMANAGEMENT ALS FRÜHWARNSYSTEM Gemeinsam mit Stephan Richter, Geschäftsführer der sr-global consult, hat WILD daher den bewährten Produktentstehungsprozess um die sozial-organisatorische Komponente ergänzt. „Wir sprechen von einem transdisziplinären Projektmanagement, bei dem vier Hebel als Navigationshilfe und hocheffizientes Frühwarnsystem wirken“, erklärt Michael Reissig, Head of Development bei WILD. Der erste Schritt ist eine fundierte Frühdiagnose. Reibungspunkte, unklare Prioritäten oder unterschiedliche Erwartungshaltungen werden systematisch sichtbar gemacht, bevor sie den Projekterfolg gefährden. Der zweite Hebel ist die konsequente Systemkopplung. Diese bringt Ordnung in das menschliche Zusammenspiel, indem sie das „technische System“ (Faktoren wie Pläne, Daten und Bauteile) fest mit dem „Projektsystem“ (weiche Faktoren wie Informationsflüsse) verbindet. Die Folge: Alle internen und externen Experten werden so miteinander vernetzt, dass das gesamte Team jederzeit kollektiv handlungs- und entscheidungsfähig bleibt. Eine klare Verantwortungslogik bildet den dritten Hebel. Sie legt unmissverständlich fest, wer wann welche Entscheidungen final treffen darf. Das verhindert Phantomentscheidungen, für die sich am Ende niemand verantwortlich fühlt. Der vierte Hebel nutzt die allgemeine Konfliktsteuerung. Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Denkweisen werden nicht unterdrückt, sondern als wertvolle Warnsignale genutzt. SILOS AUFBRECHEN UND ECHTES ANWENDER-VERSTÄNDNIS SCHAFFEN Wie sehr sich dieser Ansatz bewährt, zeigten Franz Aigner, Head of Medical Technology, und Anna Poms, Key Account Managerin bei WILD, kürzlich gemeinsam mit WILDDESIGN beim Branchenkongress „PEP Reloaded“ – dem führenden Management-Summit für smarte Produktentstehungsprozesse. Als Beispiel diente SeeLuma™, das weltweit erste volldigitale 3D-Operationsmikroskop, das WILD fertigt. „Bei einem solchen technologischen Quantensprung bricht beim Projektstart eine immense Flut an Anforderungen über die Teams herein. Wir sprechen hier von der berühmten Excel-Tapete,“ so Dennis Kulage, Leiter des WILDDESIGN Head Office. Diese hohe Komplexität und Anzahl an Schnittstellen führt ohne Gegensteuerung dazu, dass Teams isoliert bleiben und nicht miteinander kommunizieren. Bereits zu Projektbeginn wandelt der Designer daher komplexe Anforderungen in ein erstes greifbares Bild um. Damit schafft er eine gemeinsame Vision für das Team. „Das Produktdesign wird fälschlicherweise oft als rein visuelle Haube verstanden, die man am Schluss über die fertige Technik stülpt“, so Kulage. Im transdisziplinären Ansatz hingegen agiert der Industriedesigner als Bindeglied zwischen Entwicklung, Fertigung und den späteren Anwendern. Er macht die echten Bedürfnisse frühzeitig sichtbar. Der spätere Nutzer – in diesem Fall der Chirurg – saß also von Beginn an mit am Tisch. Noch bevor detaillierte technische Entwicklungen starteten, baute WILDDESIGN Mockups aus einfachen Materialien wie Karton oder Holz. Damit wurden die Ergonomie, Griffpositionen und die komplexe Mechanik des Okulars direkt am Modell getestet und optimiert. Um die tatsächlichen Anforderungen im OP zu verstehen und wertvolles Anwenderfeedback einzubinden, begleiten die Medical Designer bereits in frühen Projektphasen Eingriffe im klinischen Umfeld. Sie untersuchen die räumlichen Gegebenheiten, die Interaktion mit den eingesetzten Geräten, die Arbeitsabläufe des OP-Teams sowie Faktoren wie Lichtverhältnisse und Kabelmanagement. Die Erkenntnisse fließen in realitätsnahe Simulationen ein, die in den eigenen Räumlichkeiten aufgebaut werden. Dadurch können Anwender und Projektteam Benutzeroberflächen und Funktionsbereiche bereits vor der Programmierung und technischen Entwicklung unter realistischen Bedingungen auf Bedienbarkeit, Effizienz und Akzeptanz testen. FEHLER VERMEIDEN SPART ZEIT UND GELD Dieses radikale Frontloading ist ein enormer wirtschaftlicher Gewinn. Denn jede spätere Änderung kostet Wochen oder gar Monate, speziell bei streng regulierten Medizintechnik-Produkten. Das transdisziplinäre Projektmanagement blockiert genau diese unnötigen Kostenfallen. Dass gerade die WILD Gruppe diesen neuen Ansatz so erfolgreich entwickelt und implementiert hat, ist kein Zufall. Als Technologiepartner, der ausschließlich im Kundenauftrag entwickelt und fertigt, bringt man seit jeher alle Beteiligten frühzeitig an einen Tisch. Dieses partnerschaftliche Parallelisieren schafft ein tiefes Verständnis für Arbeitsweisen und Bedürfnisse. Und es zeigt, wohin sich die Industrie entwickeln muss: Nur wer die unsichtbare Dynamik zwischen den Abteilungen genauso präzise steuert wie die technischen Parameter, bringt Innovationen stabil und wirtschaftlich auf den Markt.